Au Pair in den USA: “wirklich alles ist wie im Film!”

Au Pair in den USA: “wirklich alles ist wie im Film!”

Claudia aus Oberhausen ist 20 Jahre alt und lebt seit knapp einem Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nach dem sie ihr Fachabitur im Schwerpunkt Erziehungswissenschaften 2011 absolviert hatte, erfüllte sie sich ihren Traum und beschloss für ein ganzes Jahr als Au Pair in Amerika zu arbeiten. Wir haben Claudia 10 Fragen über ihr Abenteuer in den USA gestellt und gefragt, worauf sie sich bei ihrer Rückkehr in Oberhausen freut und ob Amerika wirklich so ist, wie man es aus Filmen kennt.

Wie kamst du auf die Idee als Au Pair in Amerika zu arbeiten?

Es war schon immer mein größter Traum, einmal in die USA zu reisen – ich denke jeder wollte das schonmal. Dann die Gelegenheit zu bekommen, dort zu leben und das für ein ganzes Jahr, erschien mir mehr als richtig. Da ich mein Fachabitur im Schwerpunkt Erziehungswissenschaften 2011 absolviert habe und mir die Kinderbetreuung sehr nahe liegt, konnte ich diese beiden Vorlieben durch die Arbeit als Au Pair sehr gut verbinden.

Wie gefällt dir Texas und das Land an sich?

Die USA sind ein Traum! Vor allem Austin, die Welthauptstadt der Live Musik und Hauptstadt von Texas. Durch die University of Texas ist Austin eine richtige Collegestadt, wo viele junge Menschen einfach das Leben geniessen. Auf der einen Seite hat man den typischen “wilden Westen” und auf der anderen Seite das wilde Leben der Grossstadt. Das Wetter ist immer sonnig und schön. Alle Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit, so wie ich es zuvor noch nicht gesehen habe.
Konservative Menschen, so das Vorurteil der Texaner, habe ich hier noch nicht mit erlebt.
Ich denke das es in jedem Staat gleich zugeht, jedoch kann man sich über die Politik im ganzen Land streiten und dass ist eine Sache, die das Land nicht im Griff hat. Deutschland und Europa sind da wohl einige Schritte weiter.

Ist Amerika so, wie man es aus dem Fernseh kennt?

JA!!! Das war eine Sache die ich sehr schnell gelernt habe! Ich dachte immer es seien bloß Vorurteile und dass viele Freunde von mir, zu viele Filme geschaut hätten. Alles, aber auch wirklich alles, ist wie im Film!
Angefangen mit der High-School: Es gibt wirklich diese Cliquen an den Schulen. Auf der einen Seite die Skater, auf der anderen die Streber, die Cheerleader und die Football Spieler – ich hätte dies niemals für möglich gehalten.
Es geht dann weiter bis zum richtigen Gentlemen. Genau wie in den romantischen Filmen wird man nach einem Date gefragt. Der Mann holt dich zu Hause ab, führt dich Schick aus, öffnet dir die Türen und ist so aufmerksam, wie er nur sein kann. Also liebe Oberhausener, nehmt euch ein Beispiel an den Amys! So werdet ihr jedes Herz gewinnen.
Jedoch ist die Emanzipation hier noch nicht soweit durchgedrungen. Das Ego des anderen Geschlechts verdeutlicht die Action Movies mit den typischen Machos.

Was fiel dir beim Abschied aus Oberhausen am schwierigsten?

Mir ist alles sehr schwer gefallen, zumal ich an alles und jedem sehr hänge und ich überall mit Herz dabei bin. Zu wissen, dass man sein ganzes Leben hinter sich lässt und ein neues aufbauen muss, in einem anderen Land, mit einer anderen Kultur, ohne Freunde und Familie, dass war wohl das schlimmste. Hinzu kommt der Abschied von der Familie: Ich möchte nicht daran zurück denken, wie schwer mir es gefallen ist.

Hat sich das Jahr bis jetzt gelohnt? Was hast du in diesem Jahr für Erfahrungen sammeln können?

Oh man, das ich das gefragt werde - und ob! Dieses Jahr ist wohl das Beste was mir je hätte passieren können! Du wächst über dich hinaus, springst so gesehen ins kalte Wasser, da du nicht weiß, was auf dich zu kommt. Du sprichst eine fremde Sprache in einem fremden Land und musst zu sehen wie du zurecht kommst. Es ist dein Job dort zu leben. Du hast keinen Mutterschutz um dich herum. Die Familie die dich einstellt, will kein weiteres Kind haben und das muss dir bewusst sein, du wirst Selbstständig und
Selbstbewusster, du baust einen Panzer um dich herum auf, was dir zusätzlich Kraft gibt, du bist offener für neue Kulturen – für neue Länder, du lernst damit umzugehen und kannst dich in Konfliktsituation bestens beherschen.

Dein zu Hause ist ja dein Buisness, du kannst dich nicht am Esstisch über deinen Chef aufregen oder mal schreien und dabei die Tür knallen lassen. Du lernst dich zu beherrschen, dich der Situation erwachsen zu stellen. Du kannst Verantwortung übernehmen, denn du bist so gesehen ein Mutterersatz für die Kinder mit denen du dein Tag verbringst. Du hast die Chance zu sehen und mitzuerleben wie es wirklich ist eine Mutter zu sein, ohne das du es in Wirklichkeit bist. Ich kann sagen, dass ich als Kind gegangen bin und als eine erwachsene Frau zurückkehren werde und das wird für meine weitere Zukunft sehr von Vorteil sein. Ich muss nur so schlau sein, dies auch zu nutzen.

Du bist nur noch knapp über 2 Monate in Texas, was wirst du am meisten an Amerika vermissen?

Keine 8 Wochen mehr dann bin ich wieder zurueck in Germany und meiner geliebten Stadt “good old” Oberhausen.
Am meisten werde ich diese Unbeschwertheit vermissen: Ich habe hier mein Auto, mein Pool, ich habe keine Abgaben und ich lebe hier in den Tag hinein. Sobald ich Feierabend habe, ist mein Leben der reinste Urlaub.
Es sind hier immer 30 Grad und ich treffe mich mit meinen Freunden, gehe in die Mall oder schwimmen. Ich muss nicht fürs Studium lernen oder irgendwelche Rechnungen bezahlen.
Ich mache mir keine Sorgen um irgendwelche Examen, dass ist sehr erholsam und auch sehr entspannend, vor allem nach 13 Jahren Schule. Doch wenn ich zurück bin, dann wird mich der Alltag sehr schnell einholen: kein Auto, kein Pool. Ich werde dann wohl oder übel, so wie ganz viele andere Menschen, lernen müssen, um mir später diesen Luxus leisten zu können. ;) Ich werde auch sehr viele Menschen vermissen, die für mich wie eine Familie geworden sind. Ich kam mit nichts und habe mir innerhalb von einem Jahr ein ganz neues Leben erschaffen und es ist sehr schwer für mich, dieses Leben wieder aufgeben zu müssen. Meine Traumblase wird mit einem Mal zerplatzen und ich versuche mich langsam drauf vorzubereiten.

…und worauf freust du dich am meisten in Oberhausen?

Es mag wohl verrückt erscheinen, aber es sind die kleinen Dinge die ich an Oberhausen liebe. Zuerst will ich Bus fahren. Ich will wieder in die SB90 steigen und innerhalb von 5 Minuten an den schönsten Plätzen der Stadt sein. Ich fahre hier 5 Minuten zum Briefkasten, dass sind ganz andere Verhältnisse.
Ich möchte endlich wieder wie ein normales 20-jähriges Mädchen Party machen und Coctails trinken gehen, denn ich bin hier unter 21 und somit nicht berechtigt Alkohol zu trinken. Deshalb freue ich mich riesig auf die CentrO Promenade.

Da ich im Karnevalsverein bin, werde ich mich ebenfalls riesig auf den Oberhausener Karneval freuen! Mein Herz blutet immer noch sehr, dass ich in diesem Jahr nicht dran teilnehmen konnte. Das bummeln in der Innenstadt, den Pomdöner oder aber auch die normale Pommes Currywurst an irgendwelchen Ständen. Ich freue mich auch sehr drauf spazieren zu gehen. Hier kann man nur das Auto benutzen. Es werden viele Dinge sein, auf die ich mich freuen werde!

Oberhausen, ggf. Deutschland ist im Gegensatz zu den USA klein. Denkst du, dir wird die Umstellung auf das Leben hier schwer fallen?

Ja, wie bereits erwähnt muss man hier für alles und jeden Anlass das Auto benutzen! Die Kinder sind daran gewöhnt direkt in dass Auto zu steigen – nichts macht man zu Fuß.
Ich habe einen Roadtrip hinter mich gebracht, der insgesamt 14 Stunden fahrt mit sich brachte. Das haben wir hier an einem Tag hinter uns gebracht. Wir sind in der Nacht losgefahren, haben den Tag am Strand verbracht und sind Nachmittags wieder zurück gefahren. In Deutschland würde mich jeder für verrückt erklären. Hier fährt man zum Supermarkt 20 Minuten und es scheint mir schon fast normal, da ich es mittlerweile nicht mehr anders kenne. Also wird es eine sehr grosse Umstellung werden – jedoch im positiven Sinne.

Was wirst du machen, wenn du wieder Oberhausener Boden betritts!?

Meine Familie und Freunde ganz lange in den Arm nehmen!

Würdest du ein ähnliches Jahr wiederholen?

Nein! Ich könnte nicht noch einmal so lange von allem Vertrauten weg bleiben. Jedoch bereue ich keine Sekunde. Ich bin froh das ich diesen Schritt gegangen bin und kann es nur jeden empfehlen. Wenn ich sowas wiederholen sollte, dann nur noch maximal 6 Monate. Ich will mich zunächst einmal auf das Wiedersehen einstellen und mich einfach nur auf meine Rückkehr freuen. Wenn ich wieder Fuß gefasst habe, dann könnte ich über sowas noch einmal nachdenken, aber zunächst bleibe ich in Oberhausen und werde diese Stadt auch nicht so schnell wieder verlassen…

von am 17. Juni 2012 in Allgemein | Tags: , , , , , , , ,

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